Monatsarchive: Oktober 2013

Anderson – Verliebt in der Nachspielzeit

Die Engländerin Hanna Dubois hat ein Vorstellungsgespräch für ein Stipendium in New York. Kaum ist sie fünf Minuten dort, hat ihr Taxi einen Unfall und sie trifft auf John Brennan, bekannter ehemaliger Footballspieler und jetzt -coach. Doch sie trifft auf noch jemanden: die Presse! Sie wird sofort als Groupie abgestempelt, die den Unfall mit Absicht initiiert hat, um Johns Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Foto: amazon.de

Foto: amazon.de

Hanna hat Glück und erhält das Stipendium. Und sie hat noch in anderer Hinsicht Glück: John scheint wirklich Interesse an ihr zu haben. Zumindest könnte man das vermuten, als er wenige Tage später anruft und sie einläd. Die beiden kommen sich nach und nach näher, allerdings ist auch die Presse nie wirklich weit und macht sich einen Spaß daraus, Hanna zu zerreissen.

Die Situation eskaliert, als Hanna von einem weiblichen Fan angegriffen und verletzt wird. Sie hält es nicht mehr aus und flieht nach London zurück. Was John nicht weiß – sie ist schwanger… kann die Situation noch gerettet werden? Kann Hanna die Presse und damit Johns öffentliche Position ignorieren?

 

Poppy J. Anderson steht auf Football und Football-Spieler. Das merkt man 😉 Schön ist, dass sie mehrere Bücher geschrieben hat, in denen ab und zu dieselben Personen auftauchen. So hat man, wenn man einige gelesen hat, das Gefühl, eine große Familie kennenzulernen. Die Bücher sind nett geschrieben, auch wenn die Handlung natürlich ziemlich vorhersehbar ist. Das macht aber nichts, man braucht ja nicht immer den Überraschungshammer 🙂

7/10

Amy Plum – Die for me (Revenants 1)

dieformeKate und Georgia verlieren ihre Eltern und ziehen zu den Großeltern nach Paris. Kate verbringt ihre Tage damit, in Cafés zu sitzen und zu lesen, wohingegen Georgia sich mit Bekannten trifft und feiert, um sich abzulenken. Während eines Café-Besuches fallen Kate drei junge Männer auf, von denen einer sie permanent anstarrt. Einer, der mehr als gut aussieht..

Kate lernt ihn kennen – er heißt Vincent Delacroix und irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Als sie gemeinsam nach einem Museumsbesuch in einer U-Bahnstation den Tod einer seiner Freunde miterleben und Vincent kein bisschen aufgebracht darüber erscheint, ist Kate entsetzt und bricht den Kontakt ab.

Doch als sie genau diesen Freund, Jules, einige Tage später wieder trifft, ist definitiv klar, dass etwas nicht stimmt. Sie stellt Vincent zur Rede zur erfährt die Wahrheit: Er und seine Freunde sind sogenannte „revenants“, d.h. Unsterbliche, deren Aufgabe es ist, für Menschen zu sterben. In diesem Fall erwachen sie nach ein paar Tagen in dem Alter wieder, in dem sie das erste Mal gestorben sind. Sie können, wenn sie nicht für einen Menschen sterben müssen, bis zu vier Wochen ohne Schlaf auskommen. Dann fallen sie jedoch drei Tage in eine totenähnliche Starre. Wie es immer so ist, gibt es auch einen Gegenpart zu den „revenants“, die sogenannten „numa“. Sie leben davon, dass Menschen sterben.

„They’re revenants, but their fate isn’t to save lives; it’s to destroy them. We become immortal when we die while saving someone’s life. They win their immortality by taking lives.“

Vincent hat unter den „numa“ einen Erzfeind, Lucien, der sich ausgerechnet mit Georgia anfreundet. Als Charles, einer der revenants, von den numa getötet und sein toter Körper gefangen gehalten wird, wollen die revenants ihn wiederholen. Lucien nimmt Georgia als Geißel, um Kate zu zwingen, mitzukommen. Und Vincent befindet sich gerade in seiner dreitägigen Todesstarre…

 Ich muss ehrlich zugeben, dass ich ein paar Seiten mehr als üblich gebraucht habe, um in den gewohnten Lesefluss hineinzukommen. Aber dort ersteinmal angekommen, ist das Buch richtig gut und macht Spaß zu lesen. Auch wenn die Story natürlich nicht sonderlich viel hergibt, bis auf, dass es eben keine Vampire, Werwölfe o.ä. sondern eben „revenants“ und „numa“ sind.. aber okay, das Rad kann auch nicht hundertmal neu erfunden werden – solange die Geschichte gut umgesetzt bzw. erzählt ist und solange es Spaß macht, das Buch zu lesen, will ich nicht meckern 😉

8/10

 

Adriana Popescu – 5 Tage Liebe

Foto: Lovelybooks.de

Foto: Lovelybooks.de

Jonas Fuchs organisiert den Junggesellenabschied seines besten Freundes Patrick. Und was darf auf einem guten Junggesellenabschied nicht fehlen? Richtig! Eine Stripperin.

Doch bereits als sie ins Auto steigt, ist Jonas wie verzaubert. Die Frau haut ihn einfach um und als er zusehen muss, wie sie für seinen besten Freund tanzt, wird er fast wahnsinnig. Er bringt sie liebend gerne wieder zurück und hat sofort beide Seiten kennengelernt: Sie als Maya Schreiner, ihr alltägliches Ich und sie als Lucy, die Stripperin, die nichts an sich herankommen lässt. Spontan bittet er sie um ein Date und sie willigt ein.

Bei ihrer Verabredung erfährt er, dass Maya der Meinung ist, die besten Beziehungen dauern nicht länger als 5 Tage – doch er will viel mehr! Sie hingegen will zurück nach Barcelona zu ihrem kranken Bruder. Nur deswegen übt sie ihren Job aus, um Geld für seine Behandlung zu sammeln. Jonas ist bereit, alles für sie zu tun, verkauft sein Auto und fährt mit einem geliehenen Wagen mit Maya nach Spanien.

Doch was so romantisch geplant war, verläuft katastrophal. Er fühlt sich absolut fehl am Platz und kehrt nach wenigen Tagen wieder zurück nach Hause. Wochenlang hört er nichts mehr von Maya und schafft es nicht mehr in seinen Alltag zurück. Er beschließt einen Job in London anzunehmen und für immer zu verschwinden …

 Jeder ist irgendwann bereit zu sagen, was er sagen muss, weil es ihn sonst im Inneren verbrennt. Unausgesprochene Worte sind wie Magengeschwüre, sie tun weh und schlagen auf die Gesundheit. Nicht nur bei dem, der sie sagen sollte, auch bei dem, der vielleicht ein Leben lang darauf wartet, sie zu hören.

 

Puuh, ich habe mir wirklich selten so schwer getan, ein Buch zu bewerten wie dieses. Irgendwie hat es mir gefallen, aber irgendwie auch nicht. Jonas ist einem recht sympathisch, auch wenn sein Verhalten schon sehr hormongesteuert ist. Maya bleibt sehr blass und irgendwie hatte ich nie das Gefühl, dass die beiden wirklich zusammengehören. Klingt seltsam, spiegelt aber nur meine Gefühle beim Lesen wider. Die Story ist okay, allerdings fehlt mir da auch irgendwie die Spannung. Das erste Buch, das ich von Adriana Popescu gelesen habe, hat mir definitiv besser gefallen!

4/10

Cate Tiernan – Awakening (5)

Morgan steht vor dem brennenden Poolhaus, als Hunter Niall und Sky Eventide kommen, um ihr zu helfen. Hunter erklärt sich aufgrund der Geschehnisse bereit, den Zirkel von Cal zu übernehmen. Morgan verbrennt alle Geschenke von Cal, da diese mit einem Zauber versehen sind. Doch irgendjemand betreibt noch immer Schwarze Magie.. und denjenigen müssen Morgan und Hunter finden, denn sonst können alle in große Gefahr geraten.. auf ihrer Suche nähern sich Morgan und Hunter allmählich einander an und auch zwischen Bree und Morgan scheinen sich die Wogen endlich wieder zu glätten.

Ja, die Inhaltsangaben werden immer kürzer, ich weiß. Aber mehr passiert auch nicht. Natürlich finden sie den Schwarzen Magier, aber wer das ist, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht – das müsst ihr schon selber nachlesen 😉 Wie ich das Buch fand ist schon schwieriger zu beantworten. Eigentlich ist die Geschichte im Großen und Ganzen sehr interessant zu lesen. Was mich nur nervt ist, dass es auf so viele Teile aufgeteilt worden ist! Da hätte man definitiv auch weniger Bände mit mehr Seiten draus machen können. Und das hätte mir um einiges besser gefallen.. so fühlt man sich immer viel zu schnell wieder rausgerissen und muss erst den neuen Band kaufen, um weiter lesen zu können. Und da zwischen den Bänden ja auch einige andere Bücher zum Lesen anfallen, ist es immer schwierig, den Faden neu aufzunehmen.

6/10

 

Martina Gercke – Holunderküsschen

Julia Zoe Löhmer ist glücklich verlobt – mit Johann, dem Sohn ihres Chefs. Zumindest denkt sie das solange, bis sie ihn mit einer Arbeitskollegin erwischt – auf ihrer Couch!

Wutentbrannt geht sie in die nächste Kneipe und trinkt sich erst einmal ordentlich einen an. Dann entschließt sie sich, zu ihrer besten Freundin Katja nach Hamburg zu fahren. Auf der langen Zugfahrt teilt sie ihr Schlafabteil mit Benni, einem gutaussehenden jungen Mann, der sich aufmerksam um sie kümmert. In ihrer Trunkenheit erzählt sie ihm alles, was es über sie so zu wissen gibt – oder auch nicht 😉 Und da das noch nicht reicht, kotzt sie ihn auch noch einmal komplett voll.

Foto: buecher.de

Foto: buecher.de

Am nächsten Morgen erwacht sie im Zug mit einem absoluten Filmriss – sie merkt nur, dass sie fast nackt und dass Benni nicht im Abteil ist. Schnell zieht sie sich an und stürmt aus dem Zug. Benni, der gerade wieder auftaucht, hat keine Chance, ihr irgendetwas zu erklären.

Nach dem ersten Frustablassen bei Katja beschließt Julia, ein vollkommen neues Leben anzufangen – in Hamburg. Sie bewirbt sich bei „Holiday Dreams“, einer Reisezeitschrift und bekommt prompt die Stelle! Und wie es der Zufall so will, arbeitet auch Benni dort – als Fotograf.

Und schon beginnt eine turbulente Geschichte mit vielen Geheimnissen, einem schwulen Friseur namens Harald, der liebend gerne Holundersekt trinkt, und einem Johann, der plötzlich vor der Tür steht, und Julia wieder haben will. Soll sie ihm eine zweite Chance geben oder sich doch lieber auf Benni konzentrieren, der ernsthaftes Interesse zu entwickeln scheint? Aber er trägt auch ein paar Geheimnisse mit sich herum, die Julia noch nicht lüften konnte …

Die Story erzählt einem natürlich nicht viel Neues.. und dennoch ist sie auf eine Art geschrieben, die es einem wirklich schwer macht, das Buch wieder wegzulegen. Also alles in allem auf jeden Fall empfehlenswert (wenn man auf diese Art von Büchern steht 😉 ). Ich freue mich auf Band 2, der bereits bereit zum Lesen vor mir liegt 🙂

7/10

Katzenbach – Der Professor

Foto: amazon.de

Foto: amazon.de

Adrian Thomas, Professor in Rente, leidet an Lewy-Körper-Demenz. Seine Lebenserwartung ist nicht mehr allzu hoch – vor allem an der Zeit gemessen, während der er noch ein normales Leben führen kann. Bereits jetzt merkt er, dass ihn seine kognitiven Fähigkeiten schon zeitweise im Stich lassen. Äußern tut sich das so, dass er seine verstorbene Ehefrau, seinen verstorbenen Bruder oder seinen verstorbenen Sohn sieht. Er genießt diesen Zustand aber mehr, als dass er ihn verhindern möchte – ist er sonst doch ganz allein und sich der Verluste nur allzusehr bewusst.

Als er von einem Arztbesuch nach Hause kommt, sieht er, wie ein Mädchen die Straße entlangläuft, plötzlich ein weißer Lieferwagen auftaucht und das Mädchen von der einen Sekunde auf die andere verschwunden ist. Hat er sich das Ganze nur eingebildet? Aber die auf dem Boden liegende Mütze spricht eine andere Sprache. Das Mädchen wurde vor seinen Augen entführt. Ihr Name lautet Jennifer Riggins, wie er anhand eines Schildchens in der Mütze herausfindet. Er informiert die Polizei und sofort beginnt die Suche nach dem Mädchen, das bereits einmal von zu Hause ausgebrochen ist.

Wer die Entführer sind? Michael und Linda, Leiter von der Website whatcomesnext.com. Auf dieser Website können sich Leute für sehr viel Geld Zugang zu Kameras erkaufen, die in einem Zimmer installiert sind, in dem entführte Mädchen gefangen gehalten werden. Jennifer ist die Nummer Vier und mit ihr haben Michael und Linda ganz besondere Sachen vor…

Adrian Thomas macht sich unabhängig von der Polizei auf die Suche nach dem jungen Mädchen – und findet ironischerweise die nötige Hilfe bei einem Sexualverbrecher, der ihn in die pornographischen und perversen Tiefen des Internets einführt … Kann Adrian sie noch rechtzeitig finden? Das Finale soll nämlich der Selbstmord von Jennifer sein …

 

Mein erster Katzenbach und ich muss sagen: Verdammt gut! Die verschiedenen Handlungsstränge – die Geschichte wird ja aus der Sicht von Jennifer, Michael und Linda, Adrian und der Polizistin Terri Collins erzählt – ergänzen sich wunderbar. Man hat auf der einen Seite die Sicht eines einsamen und kranken Professors, der sich eigentlich nur noch in seine Fantasiewelt flüchten will und auf der anderen Seite die brutale Sicht der Realität, wie sie von dem Opfer und den Tätern geschildert wird. Hier treffen zwei Welten aufeinander und nehmen den Leser gefangen. Es wird auf jeden Fall nicht mein letzter Katzenbach gewesen sein 😉

8/10

 

Marah Woolf – Bookless

Lucy, Studentin der Literaturwissenschaften, arbeitet nebenher in einer Londoner Bibliothek. Als sie zum vermehrten Mal zu spät kommt, wird sie in das Archiv strafversetzt. Kaum ist sie dort, fängt das kleine weiße Buch, das sie als Tattoo am Handgelenk hat, an zu schmerzen und zu pochen. Sie fühlt, dass die Bücher ihr etwas sagen wollen. Das ist ihre besondere Gabe: seit frühester Kindheit fühlt Lucy, was die Bücher fühlen und hört ihren Inhalt. Die Bücher scheinen ihr etwas zeigen zu wollen und Lucy stößt auf die Ausgabe der Gesammelten Werke von Alfred Tennyson, einem ihrer Lieblingsautoren. Als sie das Buch in den Händen hält, fängt ihr Tattoo an richtig zu schmerzen – sie fühlt den Schmerz des Buches und als sie es aufschlägt, sieht sie auch warum: die Seiten sind leer!

Foto: amazon.de

Foto: amazon.de

Während ihrer Arbeit im Archiv lernt sie den jungen Nathan De Tremaine kennen, der immer wieder in die Bibliothek kommt, um die Bucheinbände von ganz speziellen Büchern zu kopieren. Was sie nicht weiß: Er gehört zu den sogenannten „Vollkommenen“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, wertvolle Bücher sozusagen „auszulesen“ und in eigenen Archiven aufzubewahren. Sie stehlen den Menschen die Bücher, da diese die Bücher – zumindest in den Augen der Vollkommenen – nicht mehr wertzuschätzen wissen. Erst, wenn die Menschen den Inhalt wieder würdigen können, werden sie ihnen die Bücher zurückgeben. Der Großvater von Nathan befiehlt ihm, Lucy genau im Auge zu behalten, da sie von den Hüterinnen abstammt – die Gegnerinnen der Vollkommenen.

Nathan gehorcht und lernt Lucy näher kennen. Sie ist anfangs noch sehr misstrauisch, kann sich seinem Charme aber nicht lange entziehen. Als Nathan in den Kreis der Perfecti aufgenommen wird, bekommt er den Auftrag, Lucy zu überzeugen, damit sie sich den Vollkommenen anschließt. Lucy hat in der Zwischenzeit ein Medaillon ihrer Eltern, die sie kurz nach ihrer Geburt bei einer Kirche ausgesetzt hatten, erhalten, das sich mit ihrem Tattoo verbindet und ihr Bilder aus der Vergangenheit zeigt. So erkennt sie ihre Abstammung von den Hüterinnen.

Als Nathan ihr die komplette Wahrheit erzählt, ist Lucy entsetzt. Es kann nicht richtig sein, den Menschen bestimmte Bücher zu stehlen! Da sich Nathan absolut uneinsichtig zeigt, bricht sie den Kontakt ab. Sein Großvater muss zu härteren Methoden greifen und zündet das Archiv, in dem Lucy arbeitet, an…

 

 Für sie besaßen Bücher eine eigene Persönlichkeit. Mal waren sie liebenswürdig und friedlich, mal störrisch und eitel. Einem Buch musste man auf behutsame Weise begegnen, damit es seine Geheimnisse preisgab. Dann ließ es den Leser in seine Welt.

 

 Marah Woolf hat mich ja bereits mit ihrer ersten Trilogie „MondSilber…“ überzeugt. Und auch der Auftakt dieser neuen Reihe verspricht viel. Wobei ich es sehr witzig finde, wie viel Ähnlichkeiten Marah Woolfs „Bookless“ teilweise mit Zafóns „Im Schatten des Windes“ hat, vor allem in der Hinsicht „Bücher haben eine Seele“. Also wenn sie Zafón nicht gelesen hat, dann wäre es wirklich ein großes Zufall 😉 Aber das stört ja nicht weiter, weil dieser Gedanke definitiv nicht falsch ist 🙂 Freue mich auf Band 2!

9/10

 

Zafón – Der Schatten des Windes

Foto: buecher.de

Foto: buecher.de

Daniel Sempere wird von seinem Vater an einen ganz besonderen Ort gebracht: Zum Friedhof der vergessenen Bücher.

“Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben. Jedesmal, wenn ein Buch in andere Hände gelangt, jedesmal, wenn jemand den Blick über die Seiten gleiten lässt, wächst sein Geist und wird stark.”

Mit diesem Wissen darf sich Daniel ein Buch aussuchen – er verpflichtet sich, dieses Buch quasi zu adoptieren und sein ganzes Leben lang für das Buch zu sorgen. Seine Wahl fällt auf Julián Carax „Der Schatten des Windes“. In einer Nacht hat er es durchgelesen und ist begeistert.

Als Daniel mehr von dem Autor erfahren möchte, gerät er an Don Gustavo Barcelo – dieser möchte ihm das Buch zu einem immens hohen Preis abkaufen, doch Daniel weigert sich. Er lernt die Nichte von Barcelo, Clara, kennen, der er in den folgenden Jahren immer wieder vorliest. Julián Carax lässt ihn die ganze Zeit über nicht los, vor allem, als er erfährt, dass dessen Biografie viele Fragen und Unklarheiten aufwirft. Eines Tages wird Daniel von einem seltsamen Mann angesprochen, der unbedingt das Buch haben will und ihm unmissverständlich deutlich macht, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Bücher von Carax zu finden und zu verbrennen, wird Daniel immer neugieriger.

Er beginnt, das Leben von Carax zu erforschen und entschlüsselt nach und nach dessen dramatische Geschichte. Und während all dessen findet er immer mehr zu sich selbst und erkennt die Parallelen zwischen sich und dem Autor, dessen Buch er vom Friedhof der vergessenen Bücher gerettet hat.

Was kann man in kurzen Worten über Zafón sagen? Er hat eine Art zu schreiben, die einfach genial ist! Fast auf jeder Seite findet sich eine Passage, die man am liebsten rausschreiben und sich für immer merken möchte.. so eine bildreiche und brilliante Art und Weise, die Dinge zu beschreiben, findet man wirklich selten. Zafón ist ein absolut begnadeter Autor und ich bin froh, dass ich dieses Buch geschenkt bekommen und jetzt gelesen habe 🙂

10/10

„Irgend jemand hat mal gesagt, in dem Moment, wo man sich damit aufhält, darüber nachzudenken, ob man jemanden liebt, hat man schon für immer aufgehört, ihn zu lieben.“

Lian Hearn – Das Schwert in der Stille (1)

Foto: amazon.de

Foto: amazon.de

Tomasu muss miterleben, wie sein Dorf Mino von Lord Iida und seinen Tohanmännern angegriffen und seine ganze Familie ermordet wird. Er überlebt als Einziger – und das auch nur, weil er von einem fremden Mann gerettet wird. Dieser stellt sich als Otori Shigeru vor, Anführer des Clans der Otori. Ein Clan, der von den Tohan verdrängt wurde und zwischen denen es seitdem immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist. Tomasu erhält einen neuen Namen, Takeo, und reist mit Otori mit.

„Der Tod kommt plötzlich und das Leben ist zerbrechlich und kurz. Niemand kann das ändern, weder durch Gebete noch durch Zaubersprüche.“

Auf ihrer Reise Richtung Otoris Heimat treffen sie auf Lady Maruyama, mit der Otori Shigeru eine heimliche Beziehung führt. Sie soll aber Lord Iidas Frau werden, um die Konflikte zwischen den Clans zu schlichten. Takeo und Shigeru kommen nach Hagi, Shigeros Heimat, und Shigeru eröffnet seinem Clan, dass er vorhat, Takeo zu adoptieren und somit zum nächsten Clananführer zu machen.

Während all dies geschieht, bemerkt Takeo immer öfter eine Veränderung an sich selbst. Zum Beispiel hört er Dinge, die er gar nicht hören können dürfte. Nur dadurch kann er Shigeru vor einem Attentatversuch warnen und ihm so das Leben retten. Moto Kenji, Vertrauter von Otori Shigeru, erkennt, dass Takeo vom Stamm der Kikuta abstammen muss. Dieser Clan hat besondere Fähigkeiten, so können die Kikuta beispielsweise ihr Ich spalten und an mehreren Orten gleichzeitig sein, sie können sich unsichtbar machen und sie haben besonders scharfe Sinne. Kenji ernennt sich daraufhin zu Takeos Lehrer und trainiert ihn. Durch die Adoption wird Takeo offiziell Mitglied des Clan der Otori und würde diesen nach Shigerus Tod übernehmen.

Ein weiterer Charakter ist Shirakawa Kaede, die Otori Shigeru heiraten soll, um den Frieden zwischen Tohan und Otori zu stärken. Als sie jedoch auf Takeo, Shigeru und Moto Kenji trifft, fühlt sie sich nur von einem angezogen: von Takeo. Und ihm geht es genauso. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Hauptstadt Inuyama, in der sich Lord Iida aufhält, um beide Hochzeiten (zwischen Shigeru und Kaede sowie zwischen Lady Maruyama und Lord Iida) zu vollziehen. Doch bevor es überhaupt soweit kommen kann, erkennt Lord Iida in Takeo Tomasu und alles verläuft ganz anders, als geplant. Noch bevor seine Männer Takeo gefangen nehmen können, wird dieser von den Kikuta gefunden und mitgenommen. Als er jedoch erfährt, dass Shigeru des Verrats bezichtigt und gefangen genommen wurde, geht er einen Handel mit ihnen ein: er darf noch einmal in die Stadt und Shigeru von seinem Leid befreien, doch dann muss er wieder zurückkommen. Nach Shigerus Tod ist er aber automatisch der Clananführer der Otori … Takeo steht vor einer lebensverändernden Entscheidung: bleibt er bei den Otori – mit Kaede – oder hält er sein Versprechen und kehrt zu den Kikuta zurück, die nicht für ihre Gnade bekannt sind?

Ein hammermäßiger Auftakt! Man muss sich anfangs etwas an die Namen gewöhnen, aber nach ein paar Seiten ist das schon vergessen. Und die Charaktere sind es definitiv wert, näher kennengelernt zu werden. Bezeichnend ist auch mal wieder, dass es, wie bei George R.R. Martin jeden treffen kann – auch die Hauptcharaktere haben keine Garantie, dass sie den ersten Band überleben.. Ich freu mich auf den nächsten Band, der bereits wartend im Regal steht.

10/10

Gurian – Prinzentod

Foto: lovelybooks.de

Foto: lovelybooks.de

Bei einem Umzug lernt Lissie den Stiefvater ihrer besten Freundin Bernadette kennen: Kai. Sofort sprühen die Funken zwischen den beiden und sie beginnen eine Affäre – solange, bis Kai ermordet in der Wohnung, in der er sich immer mit Lissie getroffen hat, gefunden wird. Was ist passiert? Lissie steht vollkommen neben sich und als sie dann noch Drohmails und Bilder von Kai und ihr selbst zugeschickt bekommt, ist komplett am Ende. Wer hat sie gesehen? Wer hat Kai umgebracht? War es ihr Exfreund Nico, der Sohn von Kai? Oder Violetta, die Schwester von Nico, die ein Drogenproblem hat und Lissie immer mit unverhohlenem Hass begegnet ist? Oder gar Bernadette, die gar nicht so freundlich ist, wie sie sich sonst immer gezeigt hat?

Wie man sieht – die Handlung ist sehr überschaubar. Es ist eben ein typischer Arena Thriller – nette Unterhaltung für einen Nachmittag. Interessant ist dennoch die Frage, warum man immer wieder zu diesen Büchern greifen muss.. 

4/10